Drei Geschichten, die 2017 prägten

Date : 31. Dezember 2017

Jeden Tag produzieren wir auf der Redaktion der Zürichsee-Zeitung Artikel, welche die Menschen in unserer Region bewegen. Ein persönlicher Jahresrückblick auf drei Geschichten, die für mich das Jahr 2017 prägten.

1. Lohntransparenz in den St. Galler Gemeinden

In einer gemeinsamen Aktion veröffentlichen Zürichsee-Zeitung und weitere Medien im Kanton St. Gallen im Februar 2017 eine Übersicht über die Löhne der 77 St. Galler Gemeindepräsidenten. Die gemeinsame Publikation ist Höhepunkt einer zweijährigen Recherche der Zürichsee-Zeitung, die den negativen Entscheid der Gemeinde Gommiswald bis ans St. Galler Departement des Innern weiterzog und so ein Zeichen für das Öffentlichkeitsgesetz im Kanton St. Gallen setzte.

Diese Artikel bleiben auch deshalb in Erinnerung, weil die Zusammenarbeit über sämtliche Verlagsgrenzen hinweg im Schweizer Lokaljournalismus bisher wohl einzigartig war. Nicht zuletzt auch deshalb, schaffte es die Geschichte um Lohntransparenz auch auf Platz 1 der zehn besten Transparenz-Geschichten von Öffentlichkeitsgesetz.ch.

Hier einige Artikel zum Thema aus verschiedenen Medien: Zürichsee-Zeitung, NZZ, Tagblatt, SRF oder FM1.

 

2. Eine Gratiszeitung im Fokus

Bruno Hug ist in Rapperswil-Jona stadtbekannt. Der Journalist und Verleger polarisiert mit seinen Obersee-Nachrichten seit Jahren. Er nahm nicht nur die Kesb Linth ins Visier, sondern beobachtete auch die übrige Stadtpolitik mit Argusaugen. Ob Fusion, Stadttunnel oder Schloss: Hug hat immer eine pointierte Meinung.

In den vergangenen 18 Monaten erlebte Hug ein Wechselbad der Gefühle. 2016 kandierte er als Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, erreichte das beste Wahlresultat in der ersten Runde – und zog sich daraufhin zurück. Der amtierende Stapi wurde abgewählt. Ebenfalls 2016 reichte die Stadt Rapperswil-Jona Zivilklage wegen 300 Persönlichkeitsverletzungen ein, welche die Gratiszeitung Obersee-Nachrichten (ON) und die zwei federführenden Journalisten, darunter Bruno Hug, während einer fast zweijährigen Kampagne gegen die Kesb Linth publiziert haben sollen. Im Dezember 2017 kommt es zum Prozess: Die ON verlieren vor Gericht und Bruno Hug wird daraufhin entlassen und per sofort freigestellt. Während das Mutterhaus der ON, die Somedia, das Urteil akzeptieren, will Hug es sehr wahrscheinlich weiterziehen.

Die Berichterstattung rund um den Prozess hat uns stark gefordert – selten überschlagen sich die Ereignisse regional dermassen, wie in diesem Fall. Hier einige Artikel, die den Prozess rund um die Kesb Linth und die ON nachzeichnen.

Vor dem Prozess: 10 Fragen und Antworten zur Kesb-Klage // Verleger versucht, Ruder bei Kesb-Klage herumzureissen
Zum Prozess: Brandrede gegen „Brandstifter“
Das Urteil: «Obersee-Nachrichten» akzeptieren Urteil – Bruno Hug muss abtreten
Der Kommentar: Bruno Hugs tiefer Fall
Nach dem Prozess: Bruno Hug will Obersee-Nachrichten zurückkaufen

 

3. Ein ganz besonderes Leck

An einer Landsitzung der St. Galler Regierung in Nesslau im April 2014 geht es um den Standort der Kanti Wattwil. Kurz danach bekommt die «Ostschweiz am Sonntag» eine E-Mail zugespielt. Der brisante Inhalt: Der damalige Volkswirtschaftsdirektor thematisiert eine geheime Studie über Gymistandorte. Die ZSZ hat drei Jahre nach dem Vorfall via Öffentlichkeitsgesetz Einsicht in einen Untersuchungsbericht erhalten. Der Bericht ermöglicht tiefe Einblicke in ein dunkles Kapitel der Politik des Kantons St. Gallen. Es geht um Papiersorten, E-Mails in Autogaragen und Ausflüge nach St. Gallen.

Diese Geschichte gehört zu meinen Lieblingsstücken aus 2017, weil es die Absurdität der behördlichen Untersuchung vor Augen führt. Ein Beispiel: «Die Experten der Material­zen­trale konnten das Papier jener Papier­sorte zuordnen, welche in der kantonalen Verwaltung verwendet wird (Bio 3).» Diese Papiersorte unterscheide sich gut erkennbar von der andernorts vielfach verwendeten Papiersorte «Hochweiss» und ebenso von Recycling-Papier.

Das Kanti-Leck und ein St. Galler Pianohaus