Bis zu 230 Stellen werden in Jona und Andwil bei Petroplast Vinora abgebaut. Der starke Franken hatte die Firma stark gebeutelt. Die Gewerkschaft Unia kritisiert die Informationsstrategie des Unternehmens.

«Es war die schwierigste Stunde meiner beruflichen Laufbahn», sagt Benno Schneider. Der Miteigentümer und Verwaltungsrat des Verpackungsunternehmens Petroplast Vinora musste am Dienstag die Mitarbeiter über das Ende seiner Firma informieren. «Ich kenne alle unseren langjährigen Mitarbeiter persönlich», erklärte Schneider gestern vor den Medien: «Aber wegschauen hilft in dieser Situation nicht.»
Der Scherbenhaufen beim Unternehmen ist gigantisch: Bis zu 230 Stellen werden abgebaut, die Fabrikgebäude und Firmenareale in Jona und Andwil verkauft. Einzig den Kundenstamm, die Vertriebsorganisation und die Produktpalette übernimmt eine deutsche Firma. «Papier-Mettler konnte sich nicht dafür entscheiden, das Unternehmen mit der Produktion zu kaufen», sagte Schneider. So fallen voraussichtlich im Juni 90 Stellen in Andwil weg. In Jona werden es 140 sein, sobald Papier-Mettler die gesamte Produktpalette von Petroplast Vinora anbieten kann. Dieser Zeitplan ist noch offen.

Sozialplan in Arbeit
Noch sind keine Kündigungen ausgesprochen worden. Bis zum 29. Februar läuft in Andwil das vorgeschriebene Konsultationsverfahren, währenddessen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorschläge zur Verhinderung oder Milderung des Stellenabbaus einreichen können. Benno Schneider macht den Mitarbeitenden aber wenig Hoffnung: «Die Frage hat keinen grossen Sinn, weil mit Papier-Mettler eine gültige Vereinbarung getroffen werden musste.» Petroplast Vinora will für die betroffenen Mitarbeiter einen Sozialplan anbieten: Er werde eine Outplacement-Beratung, Weiterbildungsangebote und Kurse enthalten. Zudem versuche man, einen Fonds für Härtefälle einzurichten.
Erich Kramer, Unia-Gewerkschaftsvertreter, kritisierte am Rande der Medienkonferenz, dass die Information des Unternehmens nur sehr rudimentär abgelaufen sei. Die Unia habe aus den Medien von der Schliessung erfahren. Zudem sei es verpflichtend, dass beim Konsultationsverfahren die Sozialpartner mit dabei seien. Diese Massnahme habe das Unternehmen nicht getroffen. «Der Handlungsspielraum des Unternehmens ist schwierig zu beurteilen», meint Kramer: «Dafür müssen Zahlen offengelegt werden.» Er werde sich dafür einsetzen, dass Petroplast Vinora dies nun mache.
Der Verwaltungsrat sei bereit, mit den Gewerkschaften zusammenzuarbeiten, sagte Schneider an der Pressekonferenz. Er betonte aber auch, das Verhältnis der Mitarbeiter zu den Patrons sei gut, sodass die Firma eigentlich nicht auf Vermittlung angewiesen sei. Für den Miteigentümer ist klar, dass für viele der ungelernten Mitarbeiter die Stellensuche wohl schwierig werde: «Das bereitet uns Sorge.»

Der Franken als Risiko
Das Ende des Unternehmens zeige die Situation der Industrie in der Schweiz. Trotz allen Bemühungen habe man nicht konkurrenzfähig bleiben können, sagt Schneider. Einsparungen seien jeweils durch den Margenverlust aufgefressen worden. Die Frankenstärke zum Euro habe sich stark ausgewirkt: «Von uns wurden Europreise erwartet.» Vor dem eigentlichen Frankenschock seien die Zahlen «gering schwarz» gewesen. Dennoch sind kumuliert in den letzten Jahren Verluste von 20 Millionen Franken aufgelaufen. Die Eigentümer des Verpackungsspezialisten hätten Mittel eingeschossen und auf Forderungen verzichtet. Zusammen habe dies einen zweistelligen Millionenbetrag ausgemacht. Die Suche nach Investoren im In- und Ausland sei erfolglos geblieben: «Wir haben zwar gut ausgerüstete Fabriken und eine gute Produktpalette – aber betriebswirtschaftlich war es schwierig, weil Investitionen nötig wären.»
Wie viel Papier-Mettler für Produktpalette, Vertrieb und Kundenstamm bezahlt, bleibt geheim. Schneider formulierte es an der Medienkonferenz so: «Die Eigentümer verlieren ihr Kapital und die Mitarbeiter ihre Stelle.» Aus dem Verkauf könnten immerhin die Gläubiger befriedigt werden. «Es wird eine Null herauskommen», sagt er.
Mit der Schliessung der Werke geht die langjährige Firmengeschichte von Petroplast rasch und glanzlos zu Ende. Das bedauert auch Erich Zoller, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona. Er wurde von der Firma persönlich informiert: «Die Meldung ging mir durch Mark und Bein.» Zoller fühlt besonders mit den Mitarbeitern mit, für die es schwierig werde, eine neue Stelle zu finden.
«Ich glaube nicht, dass die Entlassungen mit dem Standort Rapperswil-Jona zu tun haben.» Sie seien vielmehr eine Folge der Frankenstärke. Die Stadt sei gerne bereit, bei Interesse am Firmenareal als Vermittler aufzutreten. «Auch wir werden uns Gedanken zum frei werdenden Areal machen.»

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