Statt um 1 Uhr soll erst um 2 Uhr Schluss sein: Die Gastrobetreiber im Schloss wollen am Wochenende bei Events länger öffnen. Der Verein für eine wohnliche Altstadt hat daran keine Freude. Die Ortsgemeinde überlegt sich, Einsprache zu machen.

«Es ist ein besonderer Ort, an dem man die hektische Welt ausserhalb der dicken Schlossmauern schnell vergisst.» Aus dem Werbetext für Events wird rasch klar, weshalb das Schloss Rapperswil für Feste wie Hochzeiten äusserst beliebt ist. Nun will die Betreiberin der Event-Gastronomie, die Schloss Rapperswil Gastro GmbH, an Freitagen und Samstagen grundsätzlich eine Stunde länger öffnen dürfen. Dies geht aus einer Bauanzeige hervor, die der «ZürichseeZeitung Zeitung » vorliegt.

Kritik vom Altstadtverein

Geschäftsführerin Jutta Jertrum bestätigt auf Anfrage das Begehren. Zu den Gründen gibt sie sich wortkarg. Bisher habe man die Bewilligung für verlängerte Öffnungszeiten von 1 auf 2 Uhr einzeln einholen müssen, eine generelle Verlängerung wäre daher eine «Vereinfachung». Ein solches Begehren könne im Übrigen jeder Gastrobetrieb einreichen. Gar keine Freude an diesen Plänen hat der Verein für eine wohnliche Altstadt. Für Präsident Christian Peisker kommt der Vorstoss der Gastrobetreiber aber nicht überraschend: «Der EventDruck Druck steigt nicht nur am See, sondern je länger, je mehr auch auf dem Schlosshügel.» Diese schleichende Erweiterung des Event-Betriebs wolle man nicht akzeptieren, zumal eine Vereinbarung der Stadt mit den Altstadtbewohnern immer respektiert worden sei, dass das Schloss mit dem Lindenhof ein ruhiger Ort sein soll. «Eine Verlängerungsbewilligung für eine einzelne Nacht muss immer begründet werden und unterliegt einer gewissen Aufsicht », sagt Peisker. Auf Vorrat aber grundsätzlich immer bis 2 Uhr den Betrieb zu erlauben, gehe nicht. Man wolle nicht vor der Umsetzung der Schlossvision schon vor vollendete Tatsachen gestellt werden. «Man darf nicht vergessen, dass Event-Logistik von Catering und Musik nach der Veranstaltung Lärm in der Altstadt verursacht.» Ob der Verein gegen die Bauanzeige Rekurs einlegen will, lässt Peisker noch offen. Man müsse dies nun im Vorstand genau besprechen.

Ortsgemeinde im Dilemma

Auch die Ortsgemeinde Rapperswil- Jona als Besitzerin des Schlosses hat die Bauanzeige erhalten, wie Geschäftsführer Thomas Homberger bestätigt. «Wir prüfen derzeit, ob wir dagegen Einsprache erheben wollen. » Die Ortsgemeinde verstehe die Situation der Anwohner, aber natürlich auch das Bedürfnis der Betreiber. Deshalb müsse man die Ausgangslage genau analysieren. Dass die Ortsgemeinde in der Zwickmühle steckt, zeigt auch ein Blick zurück. Bei der Präsentation der angepassten zukünftigen Schlossvision im November ber sagte Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler: «Das Haus hat Respekt verdient, wir wollen dort keine Chilbi veranstalten.» Genau das befürchten nun aber die Anwohner.

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