Die Anreise ans Blues ’n’ Jazz kostet, die ans Seenachtfest nicht

Die Anreise mit Zug und Bus an das Blues-’n’-Jazz-Festival kostet. War früher das Eintrittsticket auch Fahrkarte für den öffentlichen Verkehr, müssen Besucher in diesem Jahr das Billett wieder selbst berappen.

Viele Jahre lang war das Blues-’n’-Jazz-Eintrittsticket auch ein kostenloses Billett für den öffentlichen Verkehr. Die Reise von und nach Rapperswil war im gesamten Zürcher Verkehrsverbund und in einzelnen Zonen des Tarifverbundes Ostwind um den Obersee bis 2013 inbegriffen.

Im letzten Jahr strich der Veranstalter des Blues ’n’ Jazz dieses Angebot, offerierte den Konzertbesuchern immerhin noch den Nachtzuschlag im Wert von fünf Franken. Damit konnten die Festivalgäste den Abend gemütlich ausklingen lassen und dann mit Nachtzügen nach Hause fahren.

In diesem Jahr ist auch dieses Angebot gestrichen worden. Neu ist sowohl das normale Billett wie auch der Nachtzuschlag von den Besuchern wieder selbst zu lösen. Mediensprecher Marc Lind­egger sagt dazu: «Die Besucher werden auch nach den Konzerten in der Zürichseeregion mit dem ÖV nach Hause gebracht. Weil die Konzerte aber in diesem Jahr früher enden, braucht es für die Besucher auch keinen Nachtzuschlag mehr.» Man habe deshalb dar­auf verzichtet, diesen in das Ticket zu integrieren.

Keine Preiserhöhung

Der Vorwurf, dass es sich beim Wegfall der integrierten ÖV-Tickets um eine versteckte Preiserhöhung handelt, lässt Festivalsprecher Lindegger nicht gelten. Er erachtet die Preise für das Festival immer noch als «extrem fair». Auch ohne Ticketintegration habe man weiterhin eine Zusammenarbeit mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), um die man sehr froh sei.

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona würde ein integriertes ÖV-Ticket begrüssen, sagt Stadtpräsident Erich Zoller (CVP). Laut Zoller könnte dies die Organisatoren je nach dem in eine schwierige Verhandlungsposition bringen. «Wir verlangen von den Veranstaltern als Minimalanforderung jedoch ein ÖV-Konzept.» Die ­Organisatoren müssen sicherstellen, dass die Besucher nach dem Ende der Veranstaltung in der Region nach Hause kommen.

Eine ähnliche Regelung kennt auch die Stadt Zürich. Sie prüft jede Veranstaltung einzeln und verlangt Massnahmen, falls ein Verkehrskonzept zu wenig ausgereift ist. Generelle Verpflichtungen, das Ticket zu integrieren, gibt es auch in Zürich nicht.

ZVV hat Preise erhöht

Kommt dazu: Die Ticketintegration ist offenbar für viele Veranstalter fast nicht mehr finanzierbar, seit der ZVV die Tarife für solche Events erhöht hat. Laut Stadtrat Thomas Furrer handelte es sich dabei um einen «wesentlichen Preissprung» im zweistelligen Prozentbereich.

Der Preis eines integrierten ÖV-Tickets wird durch eine komplexe Mischrechnung veranschlagt: Der ZVV schätzt, wie viele Eventbesucher mit dem öffentlichen Verkehr anreisen und wie viele keinen Gebrauch vom integrierten Ticket machen. Dadurch können die Preise für ein inte­griertes Ticket deutlich günstiger angesetzt werden als der Normaltarif. «Wir haben in einer Marktforschung vor drei Jahren festgestellt, dass deutlich mehr Eventbesucher den ÖV benutzen, als wir angenommen haben, weswegen wir die Preise neu kalkulieren und anpassen mussten», bestätigt ZVV-Mediensprecher Stefan Kaufmann die Preiserhöhung. Natürlich würde es der ZVV begrüssen, wenn die Konzerttickets auch für den ÖV gelten würden, das sei für die Besucher eine grosse Vereinfachung. Der Veranstalter entscheide aber selbstständig, ob er diese Integration wolle oder nicht. Auch ohne inte­griertes ZVV-Ticket beteiligt sich das Blues ’n’ Jazz am ÖV: Die Veranstalter müssen die Zusatzkurse der Busse und Bahnen spätabends mitfinanzieren.

Seenachtfest mit Ticket

Am Seenachtfest ist die Anreise aus dem ZVV-Gebiet und der Nachtzuschlag weiterhin im Ticketpreis inbegriffen. Laut dem OK-Präsidenten Fabian Villiger macht dies bei Besucherzahlen von rund 75 000 Personen in drei Tagen auch Sinn. «Man darf dabei nicht vergessen, dass der öffentliche Verkehr auch Werbepartner für unseren Event ist und in Bussen und Zügen auf das Fest aufmerksam macht.» Dennoch meint auch Villiger, der ÖV sei einer der grössten Kostenfaktoren des Events. Nebst der Ticketintegration gehören dazu auch Extra­züge und -busse.

Aus der Zürichsee-Zeitung vom 25. Juni 2015

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