Nuoler Villenprojekt bleibt auf Jahre blockiert

Die Kibag darf nach dem Bundesgerichtsurteil ihr Villenprojekt nicht weiterverfolgen. Nach einer Lagebeurteilung des Unternehmens ist klar: Das bleibt noch länger so. Der Kanton Schwyz hat bis 2022 Zeit, ­Revitalisierungsmassnahmen zu planen.

Das Bundesgericht hatte das Villenprojekt in Nuolen am Obersee Mitte April versenkt. Wegen der neuen Gewässerschutzvorschriften urteilten die Richter, «dass es erst recht nicht zulässig sein kann, ein bestehendes Gewässer mitsamt dessen Gewässerraum aufzuschütten, um Wohnüberbauungen dar­auf zu erstellen» (ZSZ vom 18. April).

Trotz einiger Wochen Distanz bleibt das Urteil ein Schock für das Kiesbauunternehmen, welches über 15 Jahre lang an der Überbauung geplant hatte. «Die Kibag steht nach dem Bundes­gerichtsurteil am Nullpunkt», sagt Ulrich Widmer, Geschäftsleitungsmitglied der Kibag, nach der genauen Beurteilung des Urteils. Es sei eine grandiose Chance verpasst worden, ein Industrieareal ökologisch und ökonomisch sinnvoll umzunutzen. Insbesondere der Seezugang mit Stegen wäre für die Öffentlichkeit gewährleistet gewesen. Ihm sei in den letzten Wochen immer mehr bewusst geworden, wie wertvoll gerade dieser Teil des Projekts gewesen wäre.

Nach der Lagebeurteilung ist für Widmer zudem klar: «Jedes Projekt, das wir in den nächsten paar Jahren ins Auge fassen würden, wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es muss wohl eine ganze Generation lang neu reifen.»

Revitalisierung braucht Zeit

Widmer betont, die Kibag dürfe momentan gar nichts planen oder bauen: «Der Kanton Schwyz muss nun zuerst die Revitalisierungsplanung des Seeufers an die Hand nehmen.» Dies schreibt auch das Bundesgericht in seinem Urteil vor.

Doch beim Kanton Schwyz muss man zunächst warten. Noch würden keine Massnahmen getroffen, sagt Peter Inhelder, Vorsteher des Amts für Umweltschutz. «Das Bundesamt für Umwelt muss zuerst die Spielregeln für die Revitalisierung definieren.» Vorher bleibe alles beim ­Alten. Für diese Renaturierungsarbeiten hat der Kanton danach bis ins Jahr 2022 Zeit. Bis alleine die Planung dafür abgeschlossen ist, dürften noch einige Jahre vergehen.

Verband fordert Massnahme

Die Wasserschutzverbände Aqua Viva und Ripa Inculta hatten sich gegen das Bauprojekt gewehrt. Nun seien die Gemeinde und die Kibag unter Zugzwang. «Das Urteil ist glasklar», meint Stefan Kunz, Geschäftsführer von Aqua Viva. Die Beteiligten müssten nun Massnahmen zur Revitalisierung und den Rückbau der Betonanlagen treffen. Bevor man selber wieder aktiv werde, wolle man aber abwarten, wie die Gespräche zwischen der Gemeinde Wangen und der Kibag verlaufen.

Der Wangner Gemeindepräsident Adrian Oberlin-Oetiker (SVP) sagt ge­gen­über der ZSZ, man wolle sich nach den Sommerferien treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Dazu gehört in einem weiteren Schritt auch, den Vertrag zwischen den Gemeinden Wangen, Tuggen und der Kibag neu zu verhandeln. Im Vertrag geregelt wurde der Rückbau des Betonwerkes, allerdings um danach das Villenprojekt realisieren zu können. Mit dem Bundesgerichtsurteil kann dieser Vertrag nicht erfüllt werden und bleibt in der Schwebe. Die weiteren Verhandlungen müssen in der Abbruchfrage Klärung bringen.

Ulrich Widmer von der Kibag sagt auf Anfrage dazu: «In Betrieb bleibt nur das Förderband und der Schiffsverlad für den Kiesabbau.» Das Betonwerk werde, wie die dazugehörende Kläranlage, auch in Zukunft nicht mehr genutzt. Der Abriss werde Teil der Verhandlungen mit den Gemeinden sein.

Aus der Zürichsee-Zeitung vom 4. Juni 2015

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