Hauswart-Mord kommt vor Bundesgericht

Das höchste Gericht der Schweiz muss sich mit dem Rapperswiler Hauswart-Mörder befassen. Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben Berufung eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen und die Verteidigerin des Angeklagten im Prozess um den Rapperswiler Hauswart-Mord gelangen ans Bundesgericht, wie Recherchen der ZSZ zeigen. Beide wollen das Anfang Jahr gefällte Urteil des St. Galler Kantonsgerichts nicht akzeptieren. Dieses hatte den heute 60-jährigen ehemaligen Vermögensverwalter wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt. Der Mann soll am 25. März 2011 vor dem Swisscom-Gebäude in Rapperswil einen 53-jährigen Hauswart mit einer Schrotflinte erschossen haben.

Freispruch gefordert

Die Verteidigerin gelangt ans Bundesgericht, weil sie einen Freispruch gefordert hatte. Zwar war an einem Schuh des Beschuldigten Blut des Opfers gefunden worden und seine Hände und Kleider wiesen Schmauchspuren auf. Der ehemalige Vermögensverwalter hat aber stets bestritten, den Hauswart erschossen zu haben. Die Verteidigung machte bereits im Prozess vor dem Kreisgericht geltend, dass die Spuren auch anders erklärt werden könnten. Die Schusswaffe wurde nie gefunden.

Neben den Indizien legte die Staatsanwaltschaft in den Prozessen ein Motiv vor: Das Opfer soll den ehemaligen Vermögensverwalter, der in einem Lagerraum hauste und beträchtliche Mietschulden angesammelt hatte, im Stolz gekränkt haben, als er ihm mitteilte, er müsse aus dem Raum ausziehen.

Berufung wegen Verwahrung

Auch die Staatsanwaltschaft legt beim Bundesgericht Beschwerde ein, wenn auch aus anderen Gründen als die Verteidigerin. Das St. Galler Kantonsgericht hatte zwar die Strafe wegen Mordes gegen den Mann verschärft, von einer Verwahrung sahen die Richter allerdings ab. Die Voraussetzungen dafür oder für eine therapeutische Massnahme seien nicht gegeben, befand das Kantonsgericht. Wie Mediensprecher An­dreas Baumann auf Anfrage sagt, ge­lange die Staatsanwaltschaft nun ans Bun­desgericht, «weil sie nicht damit einverstanden ist, dass das Kantonsgericht St. Gallen keine Verwahrung ausgesprochen hat.»

Weil es vor Bundesgericht in der Regel keine Verhandlungen gebe, sei es für die Staatsanwaltschaft schwierig einzuschätzen, bis wann mit einem Entscheid der Richter aus Lausanne gerechnet werden kann.

Aus der Zürichsee-Zeitung vom 27. April 2015.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.