In Rapperswil wird ein neues Hotel geplant

Der Architekt Herbert Oberholzer plant auf einem Areal an der Neuen Jonastrasse ein Hotel. Der Verkehrsverein will jedoch noch mehr Betten schaffen. Schon jetzt müssen Gäste umquartiert werden.

Es wäre der erste Hotelneubau seit Jahrzehnten. An der Neuen Jonastrasse 66 plant Architekt Herbert Oberholzer auf seinem Grundstück die Unterkunft. Ab 2016 könnte das Hotel gebaut werden. Frühestens ab diesem Zeitpunkt will Oberholzer laut Recherchen der ZSZ der Firma Weidmann den Mitarbeiterparkplatz kündigen. Bereits seit 2011 plant Rapperswil-Jona die Umgestaltung des «Stadtraumes Neue Jonastrasse –St. Gallerstrasse». Im Zuge dieses Studienauftrages haben die Raumplaner den Vorschlag für ein Hotel bereits ein erstes Mal präsentiert, allerdings auf der ­anderen Strassenseite auf dem Kreuzli-Areal.

Reto Klotz, Präsident des Verkehrsvereins Rapperswil-Jona, sieht «riesiges Potenzial» für Hotels in der Stadt. Jedes Bett, das neu entstehe, sei gut: «Es kommt leider tatsächlich vor, dass wir Touristen 20 bis 30 Kilometer von Rapperswil-Jona wegplatzieren müssen, weil in der Stadt alle Betten belegt sind.» Man wolle die Wertschöpfung möglichst in Rapperswil-Jona behalten.

Dennoch ist Klotz überrascht über die Pläne, an der Neuen Jonastrasse ein Hotel zu bauen. Er sieht den idealen Standort im Südquartier bei den touristischen Anziehungspunkten. In der Nähe von See, Kinderzoo und Sportanlagen. Besonders wünschenswert wäre zudem ein Hotel im tieferen und mittleren Preissegment, das auch für Familien mit Kindern erschwinglich sei.

Grösseres Hotel gewünscht

Ein Fragezeichen setzt der Präsident des Verkehrsvereins auch hinter die Grösse des Hotels: «Man sagt heute, dass Hotels mindestens 120 Betten brauchen, um nachhaltig wirtschaftlich zu funktionieren.» Klotz bezweifelt, dass dies auf der kleinen Grundstücksfläche beim Weidmann-Areal möglich sein wird. Er würde sich für Rapperswil deshalb ein grösseres Hotel wünschen.

Die Bauherrschaft um Architekt und Grundstückbesitzer Herbert Oberholzer will sich zum Hotelprojekt momentan nicht äussern. Fragen zur Anzahl der Zimmer, zum Hotelbetreiber oder zu den Mitgliedern der Baugesellschaft Rotbuche will er erst zu einem späteren Zeitpunkt beantworten.

Stadt zeigt sich zufrieden

Positiv auf die Pläne der Baugesellschaft Rotbuche reagiert man bei der Stadtregierung: «Für Rapperswil-Jona ist das Projekt sehr positiv.» Es bestehe in der Stadt ein Bedarf an Hotelbetten. Eine Alternative wären Büroflächen, aber dieser Markt sei momentan übersättigt. Mit dem Hotel könne man den Gewerbecluster auf dem Weidmann-Areal weiter beleben. Für Furrer ist das Projekt auch ein Auftakt für die gesamte Umgestaltung des Raumes an der Jonastrasse. Dereinst könnte die Neue Jonastrasse vom Durchgangsverkehr befreit werden und nur noch Ziel- und Quellverkehr sowie der Busverkehr erlaubt sein. Der Kanton hat grünes Licht für die Ein- und Ausfahrt ab der Neuen Jonastrasse gegeben: «Das Hotel steht in minimalem Abstand zur Neuen Jonastrasse und nutzt die vorgesehenen Baulinien in der Verlängerung des Weidmann-Bürohauses aus, das gab auch Kritik», ergänzt Furrer. Doch an dieser Lage sei städtischer Raum explizit gewünscht.

Hotel liegt in Industriezone

Für die Umgestaltung der Neuen Jonastrasse wird laut Furrer später auch eine neue Zonenordnung notwendig: «Die Neuzonierung bildet die Grundlage, um mit den Grundeigentümern die Landerwerbsfragen für die Umgestaltung der Neuen Jonastrasse zu klären.»

Das geplante Hotel liegt in einer Industriezone. Laut einem Mitarbeiter des Bauamtes des Kantons St. Gallen, sieht die juristische Auslegung Hotels in diesen Industriezonen nicht vor. Auch ein Hotel sei eine Wohnnutzung, und diese sei in Industriezonen nur für «standortgebundenes Personal» erlaubt. Allerdings: Für die Einhaltung der Regeln ist die Gemeindebehörde, in diesem Fall die Stadt Rapperswil-Jona, zuständig. Dort interpretiert man die Rechtslage anders. Thomas Furrer sagt dazu: «Gemäss geltendem Recht ist im Kanton St. Gallen ein Hotelprojekt in der Industriezone zulässig. Dies wurde juristisch abgeklärt und bestätigt. Die Firma Weidmann hat dazu auch ihr Einverständnis gegeben.»

Weidmann-CEO Franziska Tschudi Sauber spricht von einem «interessanten Projekt» und «guten Kontakten». Zu weiteren Details will sie sich momentan nicht äussern, auch nicht, wie es mit dem Parkplatz weitergeht, den die Firma von Herbert Oberholzer gemietet hat.

Eine Einsprache gegen Projekt

Allerdings hat das Architekturbüro AGS und Partner, welches im benachbarten alten Zeughaus heimisch ist, Einsprache gegen das Hotelprojekt erhoben. Wie Geschäftsleitungsmitglied Heinz Gmür gegenüber der «Zü­richsee-Zeitung» sagt, gehe es jedoch nur darum, die Verkehrsplanung im Quartier genau abzusprechen. Dazu findet nächste Woche ein Treffen mit den Beteiligten statt. Gmür betont, gegen das eigentliche Hotel habe man nichts einzuwenden.

Schon jetzt scheint klar: Das Projekt an der Neuen Jonastrasse wird wohl nicht der einzige Hotelneubau bleiben. Wie aus gut unterrichteten Quellen zu erfahren ist, sollen weitere Planungen laufen.

Aus der Zürichsee-Zeitung vom 17. April 2015

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