Mit offenen Karten spielen – Leitartikel zu Gemeindefusionen

Unterschiedlicher könnten die Haltungen zu Gemeindefusionen im Linthgebiet nicht sein. Rapperswil-Jona, Gommiswald und Eschenbach trauten sich und wagten den Schritt in ein gemeinsames Leben. Andernorts tun sich die Bürger schwerer mit einem Entscheid: Die Vereinigung kommt nicht in Frage. Nicht jetzt und ganz bestimmt auch nicht später.

Fusionen sind natürlich einschneidende Momente für die Geschichte einer Gemeinde. Bürger verbinden mit den Ortschaften ganze Lebensgeschichten. Sie wurden im Ort geboren, gingen hier zur Schule, lieben, leben und fühlen sich ganz einfach wohl in ihrem Zuhause. Dieses Heimatgefühl lässt sich nicht wegdiskutieren, nicht in politische Prozesse einbinden und schon gar nicht pragmatisch und rational in der Fusionsfrage aus­blenden. Das ist gut so.

Und trotzdem stellt sich die Frage, woran sich dieses Gefühl festmachen lässt. ­Ist es wirklich der Name der politischen Gemeinde? Viel eher ist es doch das Leben im Dorf, der Ort, wo man wohnt, die Freunde oder die Treffpunkte in der Beiz. Auch das Engagement in Vereinen prägt die Ortschaft. Diese wichtigen Dinge für den Zusammenhalt müssen gepflegt werden. Dafür verantwortlich sind die Bür­gerinnen und Bürger – ganz unabhängig davon, ob die politischen Gemeinden fusio­nieren oder nicht.

Die Angst vor Fusionen ist gerade deshalb so emotional, weil die Frage der ­politischen Zugehörigkeit mit der eigenen persönlichen Herkunft verknüpft wird. Wichtiger wäre es, den Tatsachen ins ­Auge zu blicken. Die kleinen Gemeinden haben langsam, aber sicher ausgedient. Jeder politische Wirbelsturm bringt sie ­ in ihren Grundfesten zum Wanken. ­ Mehr Schultern können deshalb die Herausforderungen der Zeit besser tragen.

Emotionale Fragen sollen im Fusionsprozess aber angesprochen werden. Die Politiker sollen die Sorgen der Bevölkerung kennen und ihr Engagement für die Vielfalt im Dorf unterstützen. Bürger haben umgekehrt die Verantwortung, ebenso mit offenen Karten zu spielen und ihre Kritik nicht bis zum Urnengang zurückzuhalten. Nur so können Fusionen nachhaltig aufgegleist werden. Die Gräben im eigenen Dorf gilt es zu vermeiden, sonst ist auch das behütete und zu Recht geschätzte Dorfleben in Gefahr.

PDF Leitartikel

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Fusion Uznach – Schmerikon (Doppelseite: Download 14.9 MB)

 

 

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