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Steffi Buchli fällt auf: Beim Schweizer Fernsehen mode­riert sie Sportsendungen; zu reden geben jedoch vor allem ihre Frisuren. Im Interview erzählt die Moderatorin von der Fankultur zu ihrer eigenen Person und der bevorstehenden Fussball­-WM in Brasilien.

Interview: Conradin Knabenhans

Wenn ich Sie im Internet suche, erhalte ich als ersten Suchvorschlag «Steffi Buchli schwanger». Wie oft werden Sie darauf an­ge­sprochen?
Steffi Buchli: Das ist seit Jahren so, aber ich bin immer noch nicht schwanger. Nur weil ich verheiratet bin und langsam in die­ses Alter komme, muss diese Frage nicht immer gestellt werden.

Sind Sie manchmal überrascht, was Leute über Sie im Internet suchen?
Das weiss ich nicht einmal. Ich befasse mich nicht mit den Fantasien der Zuschauerinnen und Zuschauer. Wenn die Leu­te interessiert, ob ich schwanger bin, kann ich das nicht ändern.

Und umgekehrt: Stellt man sich den Zuschau­er zuhause vor?
Durch die Social-Me­dia-Kanäle weiss ich relativ gut, wer un­sere Zuschauer sind und was sie beschäf­tigt. Ich bin mir be­wusst, dass es im Fernsehen – viel mehr als es uns lieb ist – um Äusserlichkeiten geht. Es kommt selten ein Feedback: «Du hast inhaltlich fehlerfrei mo­de­riert», auch wenn wir uns das wünschen würden.

Nicht nur die Zuschauer, auch die Medien spre­chen gerne über Ihre Mode und Ihre Frisur.
Zum Glück ist die Welt nicht nur die Zeitung mit den grossen Buchstaben. Mein Umkehrschluss: Wenn nur über meine Fri­sur gesprochen wird, muss der Inhalt ziemlich gut gewesen sein. Und: Offenbar geht es uns sehr gut, wenn meine Kurz­haar- oder Rothaar-Frisur medial das grösste Thema ist. Man muss das locker nehmen.

Sie provozieren aber auch gerne und präsentieren sich im Internet mit schwarzer Locken-Perücke.
Erstaunlich viele Leute glauben dann übrigens tatsächlich, dass ich über Nacht schwarze Locken erhalten habe. Das finde ich witzig. Es hat auch etwas Trotziges, dass ich mich nicht wegen einer Schlagzeile anpasse. Ich habe einfach Freude an Mode und Kleidern, ich mache einfach das, worauf ich Lust habe.

Sie sind in einer speziellen Rolle: Sie treffen Sport-Stars und haben gleichzeitig als Moderatorin auch eigene Fans.
In den zehn Jahren beim Fernsehen hat sich das etwas relativiert: Ich habe den gleichen Respekt vor einem Nachwuchs-Kunstturner wie vor dem millionenschwe­ren Basketballer. Ich freue mich dar­auf, in Interviews einen Menschen kennenzulernen. Aber ich merke logischerweise auch, dass gewisse Leute ein Autogramm von mir möchten, weil sie mich toll finden. Für mich ist es eine Begleiterscheinung meines Berufs. Aber ich finde, man darf sich nicht über die eigene Bekanntheit definieren.

Sie reisen für die Fussball-Weltmeisterschaften nach Brasilien und werden den Zu­schau­ern Land und Leute präsentieren. Was erwartet Sie auf Ihrer Reise?
Für die Rubrik «Intimo Brasil» bin ich mit einem Kameramann in Rio de Janeiro unterwegs. Wir wollen den Zuschauern nicht die Reisekatalog-Bilder zeigen, son­dern einen unüblicheren Blick auf das brasilianische Leben werfen. Aktuell gleise ich einen Beitrag auf, in dem ich eine Brasilianerin an eine ihrer unzähligen Schönheitsoperationen begleiten möchte. Brasilien ist weltweit Spitzen­reiter, wenn es um die Anzahl durchgeführter Schönheits-OPs geht.

Sie scheinen sich darauf zu freuen, einmal aus dem durchstrukturierten Studio-Alltag auszubrechen.
Ja, ich freue mich darauf, im kleinen ­Team zu improvisieren. Manchmal ist der Studio-Alltag mit unseren Qua­litätsansprüchen etwas behäbig, auch wenn das gut ist so. In Brasilien werden wir nicht darum her­umkommen, spontan auf Situationen zu reagieren.

Ist die Reise nach Brasilien mit diesen Repor­tagen eine Chance, auch in der Schweiz etwas Neues ausprobieren zu können?
Reportagen sind etwas ausser­or­dent­lich Interessantes, aber ich würde die Mode­ra­tion von Sendungen nicht dagegen eintauschen wollen. Ich glaube, der Mix macht es aus.

Sie haben einmal gesagt, Sie könnten sich ein Leben ohne TV-Kamera vorstellen. Denken Sie darüber nach, was nach der Zeit als Moderatorin kommt?
Ich mache mir diese Gedanken oft, beson­ders, weil sich das Medium Fern­sehen im Wandel befindet und man sich unbedingt damit befassen muss, was die Zukunft bringt. Auch wenn es ganz sicher immer Live-Sport im TV geben wird. Im Moment sehe ich für mich jedoch noch keinen Handlungsbedarf, weil ich lange gearbeitet habe, um es in diese Position zu schaffen.

Sie wurden Moderatorin und analy­sie­ren mit Ihren Gästen Sportereignisse im Studio. Reizte es Sie nie, Spiele live zu kommentieren?
Es wäre reizvoll, aber das sind zwei völlig verschiedene Jobs. Für mich wäre das ein grosser Schritt. Ich habe zwar mehrere Hundert Hockey-Matches gesehen, aber es gibt immer noch Situationen, in denen ich froh bin, nicht in dieser Sekunde meinen Kommentar abgeben zu müssen.

Es fällt auf, dass sich frühere Sportmodera­torinnen wie Regula Späni oder Mo­nika Fasnacht irgendwann von ­Sport­sen­dun­gen verabschiedet haben, Män­ner aber bis zur Pensionierung am Bildschirm präsent bleiben.
Ich glaube nicht, dass das nur ein Frauen­thema ist. Auch einige Männer haben sich vom Bildschirm verab­schiedet. Ich glaube aber, dass man sich in der Fernsehlandschaft nicht gewohnt ist, ältere Frauen – etwas brutal heisst das, Frauen ab 55 – am Bildschirm zu sehen. Anders bei den Männern, da ist der Doyen-Typ sehr gefragt.

Ist das für Sie auch ein Thema, in einem gewissen Alter vom Bildschirm zu verschwinden?
Im Gegenteil! Ich werde die Leute mit Fernsehmachen belästigen, bis ich schrum­pelig bin und bis sie mich mit dem Rollator aus dem Studio fahren müssen. Das wäre doch mal Pio­nierarbeit! Nein, im Ernst, ich glaube, es hat viel mit unseren Modeidealen zu tun, die wir uns selbst auferlegen: So muss das «Sexy-Fernseh-Hexi», die hübsche Modera­torin aussehen: jung und faltenfrei. Bis jetzt habe ich nur Lachfalten, ich bleibe also mal noch ein paar Monate.

Kommen Sie nie an Ihre Belastungs­gren­zen, wenn Sie jeden Abend moderieren?
Es gibt tatsächlich solche Momente. Aber wenn ich wie bei Olympischen Spielen mehrere Wochen durcharbeite, bleibt meine Agenda, ausser der Arbeit, leer. Das schränkt natürlich auch das Privat­leben ein. Mir hilft es jedoch, bewusst Pausen einzulegen und auf die Signale meines Körpers zu hören, um strenge Wochen durchzustehen.

TV-Moderatorin zu sein, ist doch auch des­halb eine Belastung, weil Sie immer guter Laune sein sollten?
Ich finde, es gibt glücklicherweise selten einen Grund, nicht fröhlich zu sein. Kommt dazu, dass es eine Beleidigung mei­nen Zuschauern gegenüber wäre, wenn ich schlecht gelaunt eine Sendung moderieren würde. Es ist doch meine Verpflichtung, eine angenehme Stimmung zu verbreiten. Es gibt zwar auch mal schlechte Tage, aber die Studio-­Atmosphäre hilft mir, in die positive Sendungsstimmung zu kommen.

Interview erschienen in der Zürichsee-Zeitung am 2. Juni 2014 (PDF)

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