Links überspringen

Sponsoring-Regeln der Uni kritisiert

Die Luzern hat Richtlinien für die Annahme von Sponsoringgeldern ausgearbeitet. Damit will die Uni Transparenz schaffen und die bisherige Praxis verschriftlichen, wie man mit fremdem Geld umgeht. Nun kritisiert der „Zürcher Appell“ die Richtlinien.

Wichtigstes Ziel ist laut einer Mitteilung der Uni, dass Verträge mit privaten Geldgebern die Freiheit von Forschung und Lehre nicht gefährden dürfen. Die privaten Drittmittel sollen die mit öffentlichen Geldern finanzierten Stellen „stärken und ergänzen“, aber nicht an die Stelle staatlicher Mittel treten. Explizit davon ausgenommen sind Anschubfinanzierungen, so wie sie für die geplante Wirtschaftsfakultät notwendig wären.

Doch trotz gewünschter Transparenz lassen die Richtlinien viel Spielraum offen.

Gegenleistungen: In den Richtlinien ist einzig festgeschrieben, dass „Sponsoringbeiträge mit Gegenleistungen wie z. B. der Nennung des Geldgebers in Veröffentlichungen verbunden sind“. Doch welche anderen Möglichkeiten für Gegenleistungen gibt es? Auf Anfrage von 3FACH sagte Uni-Rektor Paul Richli heute Abend, man könne die Benennung „auch für eine Assistenz oder, bei genügender Höhe, für die Startphase eines Instituts ins Auge fassen. Mehr darüber nachgedacht habe ich aber noch nicht.“ Wie Paul Richli im Dezember in einem Interview mit Radio 3FACH bereits angedeutet hatte, könne auch ein Hörsaal mit dem Namen eines Donators bezeichnet werden, Voraussetzung dafür sei aber „ein grösserer Betrag“. An der Uni Luzern trägt der Hörsaal 1 den Namen „Koechlin Auditorium“, die Stiftung hatte 15 Millionen Franken an die Baukosten des neuen Uni-Gebäudes beigesteuert..

Ansehen und Glaubwürdigkeit: Wer darf die Uni Luzern finanziell unterstützen? Die Richtlinien lassen keine konkrete Aussage zu. Man spricht davon, dass „das Ansehen und die Glaubwürdigkeit“ der Uni „nicht beeinträchtigt“ werden darf.
Auch die Universität Bern verfügt über Sponsoringrichtlinien. In Bern sind nur Unternehmen erlaubt, „die den demokratischen und freiheitlichen Grundwerten unserer Gesellschaft nicht widersprechen und zur Erreichung ihrer Ziele legale Mittel und Wege einsetzen.“ Der Rektor der Uni Luzern, Paul Richli, findet die Berner Formulierung problematisch: „Dürfte man von einer Schweizer Bank noch Donationen entgegennehmen, wenn nicht sicher ist, ob man ausländische Kunden in einer Weise beraten hat, die mit dem dortigen Recht nicht voll in Übereinstimmung steht?“. Es gebe Unternehmen, die von der Universität nicht berücksichtigt würden, er persönlich habe auch schon Donationen abgelehnt. Die Richtlinien sehen vor, dass im Zweifelsfall der Rektor Rücksprache mit dem Universitätsrat halten muss. „Wichtig ist, dass wir einen Vertrag aus wichtigen Gründen kündigen können. Das wäre z.B. der Fall, wenn nachträglich auskommt, dass Schwarzgelder im Spiel sind. Sie werden verstehen, dass ich weder Positivbeispiele noch Negativbeispiele aufführen möchte.“

Besonders Wert legt die Universität Luzern auch darauf, dass Verträge so aufgesetzt werden, dass sie einer öffentlichen Prüfung standhalten würden „und dass der Universität keine Beeinflussbarkeit vorgeworfen werden kann.“ Die Uni Luzern verspricht Sponsoren, dass „legitime Geheimhaltungsinteressen“ gewahrt werden und die Vertragsinformationen nicht an Dritte weitergegeben werden. Welche Geheimhaltungsinteressen als legitim eingestuft werden, dürfte von Fall zu Fall unterschiedlich bewertet werden.
Eine Offenlegung von Sponsoringverträgen wären in Luzern momentan ohnehin schwierig. Als einer der wenigen Kantone kennt Luzern kein Öffentlichkeitsprinzip. Die Universität Zürich musste den Sponsoring Vertrag mit der UBS offenlegen, nachdem zwei Journalisten aufgrund des in Zürich geltenden Öffentlichkeitsgesetzes geklagt hatten.

Zürcher Appell: Luzerner Regeln sind zu abstrakt
(Artikel aktualisiert: Sonntag, 26. Januar 2014)

Der Zürcher Appell, gegründet von 27 europäische Professoren und Denkern, kritisiert die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Die Mitglieder sehen die Freiheit der Universitäten durch das Sponsoring gefährdet. CampusRadio 3FACH fragt die Wortführer des Zürcher Appells, Ursula Pia Jauch (Philosophie Uni Zürich) und Markus Müller (Staatsrecht Uni Bern), was sie von den Luzerner Richtlinien halten.

Die beiden Professoren loben das Bemühen der Universität Luzern, Richtlinien im Umgang mit Sponsoring zu schaffen. Trotz dieses wichtigen ersten Schrittes, kritisiert der Zürcher Appell die neuen Regelungen. Richtlinien sollten konkrete Handlungsanweisungen geben, die problemlos überprüft werden könnten. „Das „Wording“ der Richtlinien erinnert mehr an Proklamationen, wie man sie in Verfassungen und Gesetzen antrifft.“ Diese Ziele seien meist wenig umstritten: „Umstritten und entsprechend delikat sind die Instrumente, die man zur Zielerreichung braucht. Solche fehlen in den Richtlinien weitgehend.“

Ursula Pia Jauch und Markus Müller kritisieren, die Instrumente die der Wahrung der Unabhängigkeit dienen, müssten präzis beschrieben werden. Beispielsweise werde nicht klar, wie gewährleistet werden könne, dass das Ansehen der Uni Luzern nicht beeinträchtigt werde. „Bereits der Anschein, dass Forschung und Lehre im Branding-Bereich des Sponsors stehen könnten, genügt nämlich, um der Unabhängigkeit der Wissenschaft, der Forschenden und Lehrenden, sowie dem Ansehen der Universität nachhaltig Schaden zuzufügen.“

Die Richtlinien einer Uni reichen den Mitgliedern des Zürcher Appells aber noch nicht: Sie gehen einen Schritt weiter und fordern national einheitliche Regeln. Die Erarbeitung von Lösungen würde dazu beitragen, dass die Universitätsleitungen die Problematik von Sponsoring erkennen könnten. „Wie das jüngste Interview mit dem neuen Rektor der Uni Zürich eindrücklich zeigt, ist dies leider noch nicht überall geschehen.“
Im Interview mit der „NZZ am Sonntag“ sagt Michael Hengartner: „Wenn uns morgen die Novartis oder die Roche 100 Millionen Franken für fünf Lehrstühle anbietet und sagt, wir möchten, dass ihr damit die Krebsforschung fördert, dann sage ich Ja.“

Die Richtlinien der Universität im Wortlaut
Das Statement des „Zürcher Appell“

Artikel zum Thema:
Millionen für einen Hörsaal (Dezember 2013)
Uni Luzern: Das geheime Geld (Dezember 2013/Januar 2014)

Einen Kommentar hinterlassen

Name*

Webseite

Kommentar