Blog-Stöckchen – Antworten auf Luzia Tschirkys Fragen

Date : 29. Dezember 2013

Die Journalistin Luzia Tschirky hat mir ein Blog-Stöcken zugeworfen. Für mich eine Premiere – umso mehr freue ich mich, ihre Fragen zu beantworten.

1. Hast du den Eindruck in einer Informations-Bubble zu sitzen?

Ich baue mir meine selbstbestimmte Informationsblase. Sie besteht aus Zeitungen, Radiosendern, Blogs und meiner persönlichen Twitter-Timeline. Gerade dank Twitter habe ich jedoch das Gefühl, immer wieder auch neue Perspektiven zu erhalten. Allerdings verzichte ich auf Funktionen, die mir personalisierte Empfehlungen vorschlagen möchten – den Entdecken-Button auf Twitter klicke ich nur aus Versehen an. Aber: Ich könnte mir heute nicht mehr vorstellen, ohne Twitter-Timeline zu leben: Die verlinkten Beiträge sind dafür zu gut, persönlich würde ich möglicherweise auf die wenigsten dieser Texte stossen. Durchaus möglich, dass ich mich ohne Twitter in einer Info-Bubble befände.

2. Was meinst du zu der Diskussion zwischen den Journalisten Glenn Greenwald und Juliane Leopold: Sind Journalisten per se auch Aktivsten?

Im Vergleich zu Aktivisten ist es Aufgabe der Journalisten, verschiedene Meinungen zu Wort kommen zu lassen (berühmt berüchtigte Stichworte „Objektivität“/“Neutralität“). Aber, und da stimme ich dem hier zitierten dänischen Twitterer zu, Journalisten sind Aktivisten für Transparenz – unabhängig davon, wo Missstände aufgedeckt werden.
Die Frage, die ich mir journalistischen Alltag (fernab von Greenwald und der NSA) jedoch stelle: Wie wird unsere Arbeit aus Sicht des Publikums wahrgenommen?
Aus unserer Sicht ist klar: Wir sollten uns an grundlegenden Regeln orientieren (Die Pflichten der Journalisten). Letzthin wurde ich jedoch verschiedentlich auf eine meiner, auch in anderen Zentralschweizer Medien aufgegriffene, Recherche angesprochen („Paul Richli soll Rektor bleiben“ und Folgebeiträge). Ich wurde von Nicht-Beteiligten (beispielsweise Studierenden) gefragt, ob ich denn etwas gegen den Luzerner Uni-Rektor habe. Die von mir angestrebte Transparenz kann in nicht-journalistischen Kreisen als persönliche Kritik an einer bestimmten Person verstanden werden. Trotz allem verstehe ich mich nicht als Aktivist, wenn dann nur im Sinne der Transparenz. Umso wichtiger scheint es mir aber, unsere eigene Rolle als Journalisten immer wieder zu erklären und persönliche Meinungen von der redaktionellen Berichterstattung klar zu differenzieren.

3. Was meinst du zum Interview mit Meret Baumann ”Man muss wissen, was man will. Und vor allem, was nicht.”

Selbstverständlich muss man wissen, was man will. Aber man muss auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und das nötige Talent besitzen (ohne dieses hätte wohl auch Meret Baumann keine Stelle erhalten). Wir können dutzende Interviews mit Journalistenkollegen führen und fragen, wie sie den Einstieg in den Journalismus geschafft haben. Doch: Wie viele Interviews habt ihr gelesen, mit Personen die es nicht in die Journalismus-Welt geschafft haben – und trotzdem immer gewusst haben, was sie wollten? Spontan kommt mir kein einziges in den Sinn. (Siehe dazu auch meine neue Blog-Stöcken-Fragen weiter unten)

4. Ueli Leuenberger, Nationalrat der Grünen hat sich nach den Enthüllungen zu den Tätigkeiten der US-Mission in Genf in einem Interview gefragt, weswegen die Leute nicht schon längst zu Tausenden gegen Prism und Co. demonstrieren würden. Was könnten Erklärungen dafür sein?

Bei dieser Frage stimme ich René Rödiger zu: Viele glauben, sie hätten ohnehin nichts zu verbergen und irgendwie wissen wir alle, dass wir wohl überwacht und fichiert werden. Kommt dazu: Solange wir keine direkten persönlichen Nachteile erfahren, erscheint die Überwachung als relativ ungefährlich.

5.  Dieses Blog-Stöckchen ist ausschliesslich an Journalisten gerichtet worden: Kennst du Schweizer Journalistinnen, die selbst einen Blog führen?

Ich gebe zu: Ich lese kaum Blogs regelmässig. Ich achte auf Verlinkungen auf Twitter, Facebook oder persönliche Empfehlungen. Wenn es Blogs von Journalistinnen sein sollen: Carmen Epp (eigenwach), Eva Hirschi, Alexandra Stark und natürlich der Blog von Luzia Tschirky 😉

 

Nun werfe ich das Blog-Stöckchen gerne weiter an die jungen Journalistenkollegen Eva HirschiDani Glur, Janosch Tröhler und an die Maz-Ausbildnerin Alexandra Stark. Wer das Stöckchen auch gerne fangen würde: Nur zu!

1. Welche Gründe gäbe es für dich, aus dem Journalismus auszusteigen?

2. Kennst du in deinem Umfeld Personen, die gerne im Journalismus arbeiten würden, es jedoch nicht geschafft haben? Was waren die Gründe?

3. Was heisst für dich journalistische Karriereplanung?

4. Welchen journalistischen Fehler hast du in deiner bisherigen Karriere begangen?

  • Zur 2. Frage:
    Greenwalds Freiheitskampf in Ehren, wundert mich die Synonymisierung der Begriffe „aktivistisch“ und „Aktivist“ in der Debatte. Ja, der Journalismus darf aktivistisch sein, um seiner Aufgabe gerecht zu werden. Greenwald hat sich als politischer Aktivist bekannt. Eine Doppelrolle verträgt sich meines Erachtens nicht.
    Fünf gute Gründe gegen eine Doppelrolle als Journalist und Aktivist präsentiere ich hier: http://saatgruen.wordpress.com/2013/12/30/journalist-aber-richtig/