Gute Journalisten – Nur im Print? Nein!

Alexandra Stark, MAZ Studienleiterin, schreibt auf Twitter:


Kann ich ein guter Journalist werden, auch wenn ich nicht bei gedruckten Zeitungen arbeite? Ja, das kann ich – und ich will es auch.

Beachtung finden jedoch vor allem Printjournalisten. Führen wir uns die Talente 2012 des Magazins „Schweizer Journalist“ vor Augen.

Von den 30 porträtierten jungen Journalisten arbeiten (zum Zeitpunkt der Publikation):

23 – Print

3 – TV

1 – Radio

1 – Online

1 – trimediale Stage

1 – Fotografie

Was stellen wir fest? Die porträtierten Jungjournalisten stammen mehrheitlich aus dem Printbereich, im Bereich TV sind alle drei vor der Kamera tätig. Als Online-Journalist ist Konrad Weber vermerkt, im Bereich Radio Luzia Tschirky (sie arbeitet heute bei der SRF Rundschau, bringt jedoch auch breite Erfahrung im Print-/Onlinebereich mit) und Noëmi Ackermann als trimediale Stagiaire bei SRF.

Natürlich ist die Liste nach subjektiven Kriterien zusammengestellt worden, doch die Stossrichtung ist klar: Wer nicht mit seinem Namen in einer Zeitung, online oder am TV-Bildschirm präsent ist, findet kaum Beachtung. Gibt es nur im Printjournalismus gute Journalisten? Was ist mit all den jungen Radiojournalistinnen und –journalisten die landauf, landab täglich gute Geschichten liefern? Man hört diese Berichte durchaus, doch merkt sich jemand die Namen? Wohl kaum.

Wie zeige ich als junger Journalist (ich arbeite seit 3 Jahren für Radio 3FACH in Luzern), dass ich etwas kann? Dass ich ebenso in der Lage bin, eine brisante Story aufzudecken, kritisch zu denken und zu  recherchieren? Ich weise Zeitungsartikel vor, in denen meine Radioberichte zitiert wurden. Werde ich dann als eigenständiger Journalist wahrgenommen? Nein, ich verschwinde. Ich bin ein Produkt meines Senders.

Wünsche ich mir mehr Aufmerksamkeit? Durchaus möglich. Doch die Problematik scheint mir eine andere: Junge Journalisten müssen sich in der Branche positionieren können; sie sind gezwungen, nach all ihren Praktika eine Festanstellung zu finden. Sie sind darauf angewiesen, wahrgenommen zu werden. Ein Porträt im „Schweizer Journalist“ ist für den eigenen „Marktwert“ Gold wert. Doch genau dort herrscht offenbar eine Printgläubigkeit.

Macht den jungen Journalisten Mut, sich in anderen Feldern auszuprobieren: Schenkt ihnen auch dann die nötige Aufmerksamkeit, wenn sie nicht im Printbereich arbeiten.

Junge Journalisten wollen dann bestimmt „gute Journalisten“ werden – ob Radio, TV, Print oder online.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.