Uni-Rektor: Nur intern gesucht

Paul Richli soll Rektor der Uni Luzern bleiben, dies zeigten Radio 3FACH-Recherchen. Die Vorgänge sind nur schwer zu durchleuchten, dennoch lassen sich – trotz Schweigen und interner Reglemente – einige Abläufe rekonstruieren.

Ende Mai 2013: Paul Richli bestätigt gegenüber Radio 3FACH, dass er aus Altersgründen nicht mehr für eine weitere Amtsdauer kandidieren kann. “Ich habe das Verfahren für die Neubesetzung vor einigen Wochen in Gang gesetzt.”

Anfang Juni 2013: Die Findungskommission unter der Leitung von RF-Dekan Felix Bommer trifft sich zum ersten Mal. An dieser Sitzung wird, gemäss Felix Bommer, der Text der Ausschreibung diskutiert, aber noch nicht finalisiert.

Mitte Juli 2013: Nachdem sich die Findungskommission zum zweiten Mal getroffen hat, wird intern über die Ausschreibung des Rektoren-Amtes informiert. Alle Professorinnen und Professoren der Universität Luzern sind “zur Bewerbung eingeladen”.
Gemäss interner Mitteilung der Uni – welche Radio 3FACH vorliegt – erfolgt das Bewerbungsverfahren in zwei Schritten. Zuerst wird die Stelle intern ausgeschrieben. “Je nach Bewerbungslage ist eine externe Ausschreibung oder Einladung zur Bewerbung möglich, aber nicht zwingend.” Die Findungskommission selbst entscheidet darüber, ob die Stelle extern ausgeschrieben wird. Geregelt wird dieses Vorgehen im öffentlich nicht zugänglichen “Organisationsreglement zur Ermittlung des Antrages für die Wahl der Rektorin/des Rektors”. Man habe dieses Reglement “aus grundsätzlichen Überlegungen nicht ausgehändigt”, heisst es bei der Uni Luzern.

Lukas Portmann, Mediensprecher der Uni Luzern bestätigt heute auf Anfrage von 3FACH jedoch, dass das Amt des Rektors für den Zeitraum ab 2014 nicht extern ausgeschrieben wurde.

Verlässliche Quellen geben an, man sei offenbar mit der internen Bewerbungslage und der Kandidatur von Theologie-Professorin Monika Jakobs nicht ganz zufrieden gewesen und habe deshalb die Wiederwahl von Paul Richli ins Auge gefasst.

Mediensprecher Lukas Portmann teilte auf Anfrage mit, sowohl Jakobs als auch Richli seien “sehr valable Kandidaten”, die Findungskommission schlage jedoch in der gegenwärtigen politischen Situation Paul Richli für eine verkürzte Amtszeit von 2 Jahren vor.

Die ausschliesslich interne Ausschreibung des Rektor-Amtes deutet darauf hin, dass die lokale Verankerung und die Kontakte in die Politik enorm stark gewichtet wurde. Bei der letzten Rektorenwahl 2009 sagte der damalige Rektor Stichweh in der Luzerner Zeitung, man schreibe die Stelle des Rektors extern aus, weil man bei der Kandidatensuche maximale Qualität erreichen wolle und die Internationalisierung der Uni ein wichtiges Thema sei. Keiner der externen Bewerber kam damals in die engere Auswahl: Paul Richli setzte sich in allen Gremien durch.

Gegenüber Radio 3FACH sprach Bildungsdirektor Reto Wyss davon, im Falle einer Kandidatur von Paul Richli eine Ausnahmeregelung zu schaffen, sodass Richli trotz seiner 68 Jahre Rektor bleiben könnte.

Und so könnte die Regelung funktionieren: Zwar heisst es im Personalgesetz des Kantons Luzern, die oberste Altersgrenze für eine Beschäftigung beim Kanton liege beim erfüllten 68. Altersjahr. Der Regierungsrat hat jedoch die Kompetenz “für besondere Funktionen” die Arbeitsverhältnisse abweichend vom Gesetz zu regeln. Die von der NLZ als “Lex Richli” bezeichnete Regelung könnte in der Personalverordnung der Universität verankert werden. Bereits heute ist dort beispielsweise geregelt, dass nebenamtliche Lehrbeauftragte bis zum Alter von 75 Jahren angestellt werden können. Im Vergleich zu Gesetzesänderungen fallen Verordnungen in die Kompetenz des Regierungsrates.

Bericht vom Dienstag, 29. Oktober 2013